Ein Fünftel ist nicht genug!
Obstbauern in Hannover werben für faire Bedingungen und Zukunftsperspektiven
Aktion „Ein Fünftel ist nicht genug“ vor dem Niedersächsischen Landtag – Ministerin Staudte und zahlreiche Landtagsabgeordnete informieren sich über die Situation der Obstbaubetriebe
Fünf Obstkisten. Vier leer. Eine voll. Mit diesem eindrücklichen Bild haben niedersächsische Obstbaubetriebe am Donnerstag vor dem Niedersächsischen Landtag ein deutliches Zeichen gesetzt. Unter dem Motto „Ein Fünftel ist nicht genug“ machte der Landesverband Niedersachsen gemeinsam mit der Bundesfachgruppe Obstbau auf die schwierige wirtschaftliche Situation der heimischen Obstbaubetriebe aufmerksam.
Die Aktion stieß auf großes politisches Interesse. Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte besuchte den Aktionsstand und informierte sich im Gespräch mit den Obstbauern Stephanie Hahne, Harm Nöhre, Christoph Sustrate und Dirk Zabel und sowie Kristine Anschütz von der Fachgruppe Obstbau über die aktuelle Situation der Betriebe. Auch zahlreiche interessierte Landtagsabgeordnete nutzten die Gelegenheit, mit den Obstbaubetrieben ins Gespräch zu kommen.
Im Mittelpunkt standen steigende Arbeits- und Produktionskosten, der zunehmende Wettbewerbsdruck durch Importe sowie die Frage, welche Perspektive die heimischen Obstbaubetriebe und die nächste Generation unter den derzeitigen Bedingungen haben. Nur rund ein Fünftel des in Deutschland verzehrten Obstes stammt aus heimischem Anbau.
„Die heutige Initiative der niedersächsischen Obstbaubetriebe zum Erntedank begrüße ich ausdrücklich und teile die Botschaft ‚Ein Fünftel ist nicht genug‘“, sagte Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte. „Der Obstbau ist für Niedersachsen ein bedeutender Wirtschaftsfaktor, schafft Arbeitsplätze in den ländlichen Räumen und prägt die Identität ganzer Regionen. Unser niedersächsisches Obst steht für Qualität und Regionalität. Wir müssen alles dafür tun, den niedersächsischen Obstbäuerinnen und Obstbauern mit ihren Familien eine gute Perspektive zu geben. Ich appelliere an Verbraucherinnen und Verbraucher, vermehrt auf heimisches Obst zurückzugreifen.“
Hohe Standards – aber unterschiedliche Wettbewerbsbedingungen
Deutschlands Obstbaubetriebe produzieren nach hohen Umwelt-, Sozial- und Qualitätsstandards. Gleichzeitig stehen sie im Wettbewerb mit Importen, die zum Teil unter deutlich anderen Kostenbedingungen erzeugt werden. Gerade im arbeitsintensiven Obstbau wirken sich steigende Arbeits- und Produktionskosten unmittelbar auf die Wirtschaftlichkeit der Betriebe aus.
Faire Bedingungen für Beschäftigte und der Erhalt des heimischen Obstbaus gehören für uns zusammen. Hohe Standards in Deutschland dürfen nicht dazu führen, dass ausgerechnet die heimische Produktion zunehmend aus dem Markt gedrängt wird. Die fünf Obstkisten machten dabei sichtbar, was hinter der statistischen Zahl von einem Fünftel steht: Wenn heimischer Obstbau verschwindet, geht es nicht nur um die Produktion von Lebensmitteln. Es geht auch um Familienbetriebe, Arbeitsplätze, regionale Wertschöpfung und gewachsene Strukturen in den ländlichen Räumen.
Deutschland braucht seinen Obstbau
Die Gespräche vor dem Landtag boten den Obstbaubetrieben die Möglichkeit, ihre Situation unmittelbar zu schildern und mit der Landespolitik über die notwendigen Rahmenbedingungen für die Zukunft des Obstbaus ins Gespräch zu kommen.
Steigende Arbeits- und Produktionskosten, zunehmender Wettbewerbsdruck und unterschiedliche Produktionsbedingungen stellen die Obstbaubetriebe vor große Herausforderungen. Damit heimisches Obst auch künftig in Deutschland erzeugt werden kann, brauchen die Betriebe verlässliche und wirtschaftlich tragfähige Rahmenbedingungen.
Die Aktion in Hannover war Teil der bundesweiten Initiative der Bundesfachgruppe Obstbau und ihrer Landesverbände. An verschiedenen Standorten in Deutschland machten Obstbaubetriebe rund um das Erntedankfest auf ihre Situation aufmerksam. Dabei suchten Politikerinnen und Politiker auf Bundes- und Landesebene das Gespräch mit den Erzeugerinnen und Erzeugern und informierten sich über die Herausforderungen der Branche.
Wer auch morgen noch Obst aus deutschem Anbau will, muss heute für faire Bedingungen sorgen.
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